Netzwerken für Blogger funktioniert… nicht?

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Ein Gastbeitrag meines geschätzten Kollegen Christian Müller:

„Soziale Netzwerke funktionieren nicht!“ – Mit diesem markigen Titel hat Kollege Karl Morlock vor kurzem einen Artikel überschrieben, in dem er ein Phänomen anprangert, das auch mir gegen den Strich geht. Um das Phänomen zu verdeutlichen nutze ich das Beispiel einer Facebook Gruppe, in der ich bis vor kurzem Mitglied war.

Angelegt wurde sie ursprünglich, um die Vernetzung und Diskussion von Bloggern untereinander zu fördern. Im Grunde also eine gute und sinnvoll Idee, die die Stärken von Facebook Gruppen als Kommunikationsplattform nutzen sollte. Zu Beginn sah das alles auch gut aus, Fragen wurden gestellt und kompetente Antworten geliefert. Geben und Nehmen, gutes Netzwerken eben.

Doch vor einige Wochen begann eine Veränderung. Trotz explizitem Ausschluss in den Gruppenregeln wurden immer mehr Artikel mit klar eigenwerblichem Charakter gepostet. Darauf angesprochen meinten die Postenden dann, dass die Artikel doch allen zugute kämen und sie die Haltung kleinkariert fänden.

Das Ende vom Lied: Aus einer einstmals sinnvollen Kommunikationsplattform wurde ein Podium für Selbstdarsteller, die zwar gerne nehmen – vor allem Aufmerksamkeit – jedoch kein Stück zurückgeben. Genau dieses Phänomen beschreibt auch Karl Morlock in seinem Beitrag.

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Daniela Sprung greift das Thema auf bloggerabc anlässlich ihres einjährigen Bloggeburtstags in der Blogparade „Vernetzung von Bloggern: Wie und warum alle davon profitieren“ auf und lädt dazu ein, sich darüber Gedanken zu machen. Das tue ich in diesem Gastbeitrag gerne und nehme damit, im Namen von Silke Loers, an der Blogparade teil. Das Thema ist uns wichtig, denn:

Netzwerken für Blogger funktioniert… oder auch nicht. Die Entscheidung trifft jeder selbst.

Netzwerken für Blogger und Blogs

Die Basics guter Vernetzung für Blogger und Blogs – egal ob Freiberufler, Themen oder Corporate Blog – sind altbekannt und dutzendfach beschrieben. Die wichtigsten Punkte in Kurzform:

  • Andere Blogs lesen, sich inspirieren lassen, die Quelle der Inspiration nennen und verlinken.
  • Thematisch passende Artikel als Ergänzung empfehlen und verlinken.
  • Bei anderen Blogs – thematisch passend und ohne Eigenwerbung (!) – kommentieren.
  • Sich in Diskussionen zu relevanten Themen einbringen und Hilfestellung bieten.
  • Grundsätzlich: Nicht mit Links geizen, diese sind nicht nur SEO technisch wichtig.

Aus der Arbeit mit Unternehmen weiß ich, dass Verlinkung bei Corporate Blogs – je nach Unternehmenspolitik und Guidelines – schwierig durchsetzbar sein kann. Doch auch Unternehmenspräsenzen profitieren von einer guten Vernetzung mit thematisch relevanten Bloggern.

Echtes Netzwerken geht für Blogger aus meiner Sicht jedoch über das Verteilen von Links hinaus. Es geht um aktive Kommunikation, den Beziehungsaufbau zu den bloggenden Kollegen und den regelmäßigen (fachlichen) Austausch. Wer beim Wort „Kollegen“ jetzt stutzt, hat vielleicht sein grundlegendes Problem identifiziert: Die eigene Haltung.

Nicht nur Corporate Blogger nehmen andere Blogger im Themenfeld als Konkurrenz wahr und tun sich dadurch schwer, sie zu verlinken. Dazu habe ich – Achtung, Eigenwerbung – vor längerem bereits einen Podcast mit einer klaren Botschaft aufgenommen: Löse Dich vom Konkurrenzgedanken.

Netzwerken und Vernetzung für Blogger: 5 Praxistipps

Hier könnte der Artikel zu Ende sein, doch dann würde er sich auf das Plädoyer für Offenheit und die Abkehr vom Konkurrenzgedanken beschränken. Das wäre dann doch ein wenig zu mau. Daher Fasse ich im Folgenden meine fünf besten Tipps für Vernetzung und Netzwerken unter Bloggern zusammen.

Die Tipps lassen sich von allen Bloggern, egal ob Freiberufler, Corporate Blogger oder Hobbyist – was keinesfalls abwertend gemeint ist – umsetzen. Corporate Blogger sollten sich jedoch vor der Umsetzung absichern und klären, dass sie auch die dafür nötige Freiheit, sowohl zeitlich als auch im Blick auf ihre Kompetenzen und Entscheidungsmöglichkeiten, haben. Es ist kontraproduktiv, wenn Sie als Coporate Blogger zuerst los laufen, Kontakte aufbauen und dann von Ihren Vorgesetzten zurückgepfiffen werden.

  1. In Vorleistung gehen

    Silke Loers beschreibt in einem ihrer letzten Artikel, wie sich durch ihr konstantes Engagement in den sozialen Netzwerken Kontakte und Beziehungen ergeben. Das Prinzip gilt auch für Blogger. Wer sich mit Gastartikeln positionieren oder eine gute Beziehung zu bloggenden Kollegen aufbauen will, muss zuerst und zuverlässig gute Inhalte liefern. Nur wer eine solide Basis und gute Qualität bieten kann, ist für andere auch ein interessanter Netzwerkpartner.

  2. Hilfsbereitschaft zeigen

    Warum sind manche Blogger hervorragend vernetzt, während andere – mit ähnlichem Output an guten Artikeln – kaum Kontakte haben? Eine Antwort liegt im Kommunikationsverhalten. Gut vernetzte Blogger engagieren sich häufig in Facebook Gruppen oder Foren, in denen sie anderen Tipps und Hilfestellung geben. Und zwar ohne ständig auf eigene Artikel zu verweisen. Hilfsbereitschaft gehört für mich ebenfalls zur oben genannten Vorleistung. Sie „funktioniert“ jedoch nur, wenn sie ehrlich und authentisch ist. Wer aus Hilfsbereitschaft eine Masche macht, wir damit scheitern.

  3. Offen für Veränderung sein

    Sie haben Ihre Netzwerkmethode gefunden und können damit schnell Kontakte aufbauen? Gratulation, doch bitte ruhen Sie sich nicht auf den Lorbeeren aus. Wie Silke Loers vor einiger Zeit schrieb: Ohne Veränderung und Anpassung können die besten Methoden ihre Wirkung verlieren. Beim Netzwerken bedeutet das nicht nur, neue Ansätze auszuprobieren, sondern auch neuen Netzwerkpartnern offen gegenüber zu treten. Wer sich nur in seiner Filterblase bewegt, kann sein Netzwerk kaum erweitern.

  4. Mehr geben als nehmen

    Dieser Ansatz klingt – das ist mir klar – für einige hoffnungslos idealistisch oder naiv. In Vorleistung zu gehen ist vielleicht noch sinnvoll, doch mehr zu geben, als zu nehmen? Dauerhaft? Was springt dabei raus? Meine Antwort: Das ist die völlig falsche Frage. Wer so ans Netzwerken herangeht zeigt für mich nur, dass er eben nicht ernsthaft an den Menschen und Netzwerkpartnern, sondern in erster Linie an seinem eigenen Vorteil interessiert ist. Sicher, der ist wichtig, doch echtes Netzwerken lebt von der Neugier auf neue Kontakte und andere Menschen. Das schließt auch andere Blogger ein.

  5. Dran bleiben

    Ja, es klingt banal und abgedroschen, doch Ausdauer ist beim Netzwerken das A und O. Andere Blogger werden nicht nach ein oder zwei Verlinkungen Ihrerseits auf Sie aufmerksam und mit Ihnen Kontakt aufnehmen. Und wenn Sie einen bestimmten Blogger innerhalb kürzester Zeit dutzendfach zitieren, empfehlen und verlinken, wirken Sie irgendwann fast schon verzweifelt oder besessen – und verfehlen das Ziel der sinnvollen Kontaktaufnahme. Beziehungs- und Kontaktaufbau braucht Zeit. Wenn Sie sich diese nehmen, perspektivisch denken und konstant an Ihrem Netzwerk arbeiten – als Blogger bitte die Verlinkung und Quellennennung nicht vergessen – kann Vernetzung für Sie funktionieren.

10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Ein Jahr bloggerabc - Blogparade: Vernetzung von Bloggern

  2. Ein schöner Beitrag, der mal wieder zeigt, das Blogger durchaus die Macht haben, andere zu manipulieren. Schließen sich viele Blogger zusammen, ist es eine Massenmanipulation 🙂
    Insofern habe ich schon fast meine Schreibfeder gezückt, pardon, meine Tastatur vor mir, die Finger jucken und wollen über die Tastatur huschen , um an der Blogparade von bloggerabc, durch die ich erst in diesem Beitrag hier erfahren habe, mitzumachen. Aber…
    Ich bin gerade hin und her gerissen, ob ich meinen Gedanken dazu freien Lauf lassen darf oder ob ich mich, mal wieder, komplett ausbremsen muss… Bloß die Klappe halten, um anderen nicht auf die Füße zu treten, auch wenn es noch so sehr der Wahrheit entspricht?

    Denn: ich habe ich schon vor ziemlich langer Zeit festgestellt, das diese Massenmanipulation auch nur so lange gut geht, bis jemandem ( sagen wir mal mir ) auffällt, welches Verhalten gewisse Blogger an den Tag legen. Man sollte auch leben was man bloggt und das tun einige nicht.. Klar, die Beiträge enthalten schöne durchdachte Worte, die sich zielstrebig zu einem lesenswerten Beitrag zusammen fügen. Kaum ist so ein Beitrag draußen, egal, ob er 100 % der Wahrheit entspricht oder man dabei wesentliche Bestandteile einfach weglässt, der Rattenfänger von Hameln zieht seine Gefolgschaft damit an. Wahre Lobeshymen prasseln nieder, es wird auf Teufel komm raus geteilt, und nach Möglichkeit gibt es auch noch Ebooks oder Verzeichnisse, in denen nur die Creme de la Creme der Blogger vertreten ist…
    ( Das hat überhaupt nichts mit Konkurrenzdenken oder Neid zu tun, um dies vor vornherein mal auszuschließen. )

    Ebenfalls bin ich, genau wie Karl Morlock, den ich übrigens wegen seiner Ehrlichkeit sehr schätze, nicht der Typ, der Gastbeiträge schreiben kann. Ich habe keinen Zeitplan, wann ein Beitrag erscheinen soll. Ich schreibe dann, wenn ich Lust dazu habe und ein Thema muss mich „anmachen“..

    Auch stelle ich, das andere Blogger, die nicht auf der republica waren oder andere nicht täglich lobhudeln, auch keine wirkliche Chance haben, in dem Kreis der Erlauchten aufgenommen zu werden.

    Ich kenne mittlerweile viele Blogger, oftmals sind es frischgebackene Social Media Manager, die haben hier ein komplettes Nachsehen! Sie werden nicht beachtet, man übergeht sie förmlich und fast kommt es einem so vor, als würde man diese bewusst übersehen.

    Nichts mit ihnen zu haben wollen, das käme dem schon fast näher. Egal, wie sehr sie sich auch anstrengen, je näher man anderen Bloggern kommen will, desto mehr distanzieren sie die anderen. ( Nein, ich spreche nicht von mir, um dies ebenfalls von mir abzuleiten! Ich beobachte nur .. )

    Es gibt viele tolle Blogger da draussen, auch mit einem nicht so professionellen Blog und dem begnadetem Schreibstil. Nur niemand nimmt sie wahr, weil sich der Kreis der Erlauchten immer mehr zusammen schließt. Dieses“Kennen wir nicht – wollen wir auch nix mit zu tun haben“ Verhalten wird immer schlimmer!

    So, wie man eindeutig sehen und lesen kann, geht diesbezüglich viel in mir vor 🙂
    LG Tina

    • Hallo Tina,

      erstmal danke für deinen ausführlichen Kommentar. Bei einigen Punkten muss ich jedoch ein wenig widersprechen bzw. nachfragen.

      Ich nehme an, dass du dich bei der Massenmanipulation auf die eingangs genannten Facebook Gruppe und die Blogger beziehst, die fast nur Eigenwerbung machen oder anders agieren als sie schreiben und empfehlen. Ja, das kann – leider – funktionieren, doch das muss jeder für sich entscheiden. Für mich wäre das nichts.

      Zum „elitären Kreis“ oder den Chancen neuer Blogger: Sicher ist es nicht ganz einfach, sichtbar zu werden. Doch das liegt bis zu einem gewissen Grad auch an den angehenden Bloggern und Social Media Managern. Natürlich ist es nicht einfach, neben einem Vollzeitjob noch zu bloggen und aktiv zu kommunizieren. Nur: Das geht und ging allen so und die meisten heute bekannten Blogger haben sich ihre Sichtbarkeit genau so aufgebaut.

      Ich biete eher unbekannten Bloggern beispielsweise auf sozial-pr gerne die Chance für Gastbeiträge – wenn sie gut sind. Nicht unbedingt stilistisch – da helfe ich gern – sondern vom Thema und den Ideen her. Wenn aber jemand zu mir sagt: „Was könnte ich denn für einen Gastartikel bei dir schreiben?“ Ist das für mich erledigt. Die Idee muss vom Anfragenden selbst kommen.

      Ähnlich bei neuen Social Media Managern. Wie kann ich jemanden empfehlen, den ich weder kennen noch dessen Arbeitsqualität ich beurteilen kann? Warum sollte ich jemand unterstützen, der fast direkt nach der Kontaktaufnahme um Unterstützung bittet, ohne etwas zu liefern? Da braucht es – wie im Artikel beschrieben – schon Vorleistung.

      Zur Blogparade: Ich würde sagen, nimm Teil und stell eher unbekannte Blogger vor, die es aus deiner Sicht verdient haben. Würde ich gerne lesen.

      Gruß,
      Christian

  3. Ein sehr hilfreicher Artikel, Danke dafür!
    Es ist, gerade für sehr junge Blogger eine echte Herausforderung, sich mit anderen Bloggern zu vernetzen. Diese Tipps helfen aber sehr dabei.

    Patrick

  4. Pingback: Warum Unternehmen bloggen und sich vernetzen sollten

  5. Pingback: sozial-pr – Autor, Coach und Berater Vernetzung für, mit und durch Blogger #Blogparade

  6. Pingback: Nachhaltiger Beziehungsaufbau über Blog und Social Media - Teil 1 › Contentkiste

  7. Guten Morgen liebe Blogger Kollegen,
    gestern hatte ich hier schon versucht zu kommentieren. Da ging es nicht weil die Technik streikte, wie Silke mir berichtete.

    Der Christian spricht mit seinen 5 Punkten das an was ich auch immer wieder versuche zu predigen in den Foren , Gruppen und Blogs.
    Scheinbar geht auch jeder Blogger da gerne mit, wenn es um die Lippenbekenntnis geht.
    Wenn es ans Umsetzten geht, sieht es dann aber ganz anders aus. Da weicht der Großteil der Blogger nicht von ihrer Straße ab, die sich dann am Ende als Einbahnstraße oder Kreisverkehr entpuppt.

    Auch die Technik spielt dann und wann den Bloggern einen Streich. So war es auch hier im Blog. Silke sagte das nach einem Relaunch die Kommentarfunktion abgeschaltet war.
    Bei einem funktionierenden Netzwerk geben die Blogger Kollegen automatisch Hinweise auf technische Probleme.
    Ich habe da den Weg über meinen Blogbeitrag gewählt um auch mal zu sehen ob das Netzwerken hier auch klappt. Es hat geklappt 🙂
    Allerdings gab es keinen Pingback Link 🙁 Aber auch das kann wieder technischer Natur sein.

    Was ich mir wünschen würde wäre das mehr Blogs wieder auf dofollow Kommentare schalten.
    Google hat nichts dagegen und aktuell hat dies auch noch gute Seo Effekte.
    Aber oft macht halt auch hier die technische Umsetzung den Bloggern einen Strich durch das Vorhaben und dann kommt noch zusätzlich die Angst vollgespammt und bei Google wegen den dofollow Links abgestraft zu werden.

    Alles in allem gibt es noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten was das gegenseitige vernetzen und helfen von Bloggern betrifft.

    die Quelle der Inspiration nennen und verlinken

    Das ist auch das was der oberste Google Qualitätswächter Matt Cutts predigt.

    So wünsche ich einen schönen Tag. Ich werde nun meinem Tagwerk nachgehen welches aus selbständigen Webworken besteht.

    Vielleicht trifft man sich ja nun öfter mal irgendwo in einem Blog
    Grüße
    Lothar

  8. Guten Morgen Lothar,

    ich gehe in fast allen Punkten mit dir d’accord, nur in einem Punkt bin ich anderer Meinung: Den do-follow Kommentaren.

    Wenn ich in Blogs kommentiere, will ich das Thema weiterbringen, den Artikel ergänzen, mich für die Qualität bedanken oder in eine Diskussion einsteigen. Dabei sollte ein Link do-follow Link keine Rolle spielen. Ich finde es ehrlich gesagt schade, wenn do- oder no-follow für das Kommentieren eine Rolle spielt. Denn dann tritt der eigentliche Sinn der Kommentare in den Hintergrund.

    Gruß,
    Christian

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